Über Rückmeldungen, Anregungen, Informationen und Fragen (auch zu Sprüchen zu bestimmten Themen)  freue ich mich!

 

 

Leben begleiten - Begleitung leben

Dieses Motto begleitet mich bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit.

 

Beim Ambulanten Kinderhospizdienst Unna habe ich, nachdem ich Anfang 2013 an dem Befähigungskurs (ca. 100 Std.) teilgenommen habe,  im Herbst 2013 fünf Wochen lang einen kleinen Jungen bis zu seinem Tod begleitet.

(S. Meine erste Begleitung)

 

Von Januar 2014 begleitete ich einen Jungen in einem Heim bis er im Februar 2015 gestorben ist.(S. Meine 2. Begleitung)

 

Seit September 2015 Jahres begleite ich ein kleines Mädchen in der Lebensarche in Unna.

 

 

Die Brücke

Zeitschrift für Sterbe- und Trauerbegleitung Schwerte e.V.

24. Ausgabe (30 jähriges Jubiläum) März 2016

 

Meine Gedanken

zu einem Vortrag und Tanz von Dr. Felix Grützner, Tänzer, Choreograph, Dozent

Seele ist Körper – Trauer und Bewegung

in der St. Petri Kirche, Dortmund am 28.05.2015

 

Es war für mich ein sehr gelungener Abend. Das Thema „Bewegung“ in diesem Zusammenhang hat mich besonders angesprochen, da es privat und beruflich immer wieder mein Leben bereichert. Beweglichkeit im Körper, Geist und in der Seele ist von Geburt an notwendig. Bewegung ist immer Ausdruck. Zur Körpersprache gehören Gestik, Mimik und Haltung (innere und äußere).

Felix Grützner zitierte die Tanzpädagogin Dore Jacobs:

Bewegung ist eine Äußerung des Gesamtlebens.... ist mehr als Zwecktun. Sie ist eine Äußerung des ganzen Menschen, nicht nur des Körpers.“

Gerade auch im Bezug auf Trauer, die Menschen oft erstarren lässt, ist es wichtig geistig und körperlich beweglich zu bleiben oder wieder zu werden. Dadurch wird Veränderung in der Trauer und Bearbeitung der Trauer möglich. Ich möchte einige weitere Gedanken mitteilen.

 

Das Zitat von Fridolin Stier drückt treffend aus, was ich beim Tod mir nahe stehender Menschen immer wieder gefühlt habe:

Aber dann kommt der Tod und (…) mein Denkwissen platzt zur Wirklichkeit auf.

Aus der Wahrheit, die ich eingeübt und mir vertraut gemacht habe, fährt es plötzlich heraus, wie ein Blitz in die Krone durch den Stamm bis in die Wurzeln des Baumes schlägt...

Dann <schmecke> ich ihn.

Die Wahrheit wissen ist das eine, sie zu schmecken bekommen das andere...“

Durch den Vortrag wurde mir wieder bewusst, dass wir durch Bewegungen (Körpersprache) intensiver unser Befinden ausdrücken als durch Worte. In Zukunft will ich bei mir und anderen wieder mehr darauf achten, was der Körper ausdrückt.

 

Einige weitere Gedanken, die mich zum Nachdenken gebracht haben: „Die Masken sind ihre Gesichter.“

Es wurde mir bewusst, wie viele verschiedene, sich leider nicht immer nur ergänzende Meinungen, Gefühle, Seelen ich in meiner Brust habe, die sich oft auch widersprechen.

 

Der Satz: „Den gleichen Verlust zu haben bedeutet keinesfalls die gleiche Trauer zu haben.“

ist für mich sehr wichtig, da ich in meiner Kinderhospizarbeit manchmal denke, dass jemand doch jetzt genug getrauert habe, was natürlich nicht von mir beurteilt werden kann.

 

Und auch das folgende will ich noch mehr beachten:

Es geht nicht in erster Linie darum, Trauer zu lindern, sondern darum, Trauer zuzulassen, sie zu bejahen, ihr einen Stellenwert zu geben. Sie wird gelindert durch Verständnis, Respekt und Ermutigung.“

Dies habe ich sehr intensiv bei meiner letzten Begleitung des Kindes einer sehr jungen Mutter erlebt. Ich habe sie nach dem Tod ihres Kindes im Arm gehalten, als sie gar nicht aufhören konnte zu weinen, bin mit ihr zum Bestatter gefahren, damit sie ihr Kind nochmal sehen konnte. Dort haben wir mehrere Stunden gesessen, das Kind angeguckt (es sah jetzt wie ein gesundes Kind aus), es angefasst, zusammen geweint, Erlebnisse ausgetauscht und sogar über einige Situationen lachen können. Diese gemeinsame Zeit hat uns beiden gut getan, uns näher gebracht und geerdet. Nach über zwei Stunden hatte die Mutter das Gefühl, jetzt gut Abschied genommen zu haben. Die Beerdigung war dann für sie nicht so belastend. Sie sagte mir hinterher, dass alles besser gewesen sei, als sie es sich vorgestellt habe.

 

"Komm an meine Brust, wein dich aus und wenn du fertig bist, tauschen wir die Plätze."

In einigen kurzen Momenten habe ich erlebt, dass auch mich die Mutter gestärkt hat.

Das obige Zitat bietet eine Gleichwertigkeit, dass ich nicht immer die Starke sein muss, sondern auch andere um Zuwendung bitten kann und darf. Andere geben meist sehr gern das, was ich brauche. Das ist für mich in der Praxisbegleitung immer wieder wichtig.

 

Als im Vortrag der Satz fiel:

Wer Halt bietet, tröstet. Doch wer tröstet, braucht Haltung. Haltung hat, wer geerdet ist und Demut hat.“ dachte ich: „ja genau das ist es, was unsere Arbeit ausmacht“.

 

Das Tanzen, das folgte, war sehr ansprechend, berührend, aber leider viel zu kurz.


Liesel Polinski, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ambulanten Kinderhospizdienstes Unna

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