Über Rückmeldungen, Anregungen, Informationen und Fragen (auch zu Sprüchen zu bestimmten Themen)  freue ich mich!

 

 

Artikel, Texte

Text aus: "Die Brücke" Januar 2012

 

 

Artikel: Hauptsache gesund? (Vollständiger Artikel)
erschienen in der Zeitschrift:
"Signal" der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr e.V.
Heft 1/2011

2011 Artikel Signal.pdf
PDF-Dokument [2.3 MB]

Artikel: Gedanken zum Jahresende 2010
erschienen in der Zeitschrift:

"Die Brücke" Sterbe- und Trauerbegleitung e.V.

Heft 4 /2011

Artikel: Gedanken zum Jahresende 2010
Gedanken in Die Brücke.2011.jpg
JPG-Datei [571.1 KB]

Buch: Schwerte im Herzen
Texte, Bilder und Begegnungen
Herausgegeben von Manfred van Fondern
Klartext Verlag 2000
ISBN 3-88474-872-6


Liesel Polinski
 

Die Geschichte einer Nummer
 
 Seit über 19 Jahren ist das Paar verheiratet. Es scheint sich um eine ganz  normale Ehe zu handeln, die mit Höhen und Tiefen gepflastert ist, wie es meist üblich ist.
 
Der Mann macht einen sehr verlässlichen Eindruck. Er hat eine interessante Arbeit, hält sich in seiner Freizeit oft zu Hause auf, werkelt oder arbeitet im Garten. Er hat aber auch einige andere Hobbys, die er allein betreibt wie Joggen, Skat spielen, in die Sauna gehen oder sich mit Freunden treffen.
 
Auch übernimmt er in der Familie viele Aufgaben. Er kümmert sich um die Kinder, saugt Staub und übernimmt auch Sekretärarbeit wie z.B. Frankieren der Post für seine Frau, was für diese eine große Erleichterung ist.
 
Eines Tages, der Mann joggt, erledigt die Frau einige Briefe. Sie hat Zeit und beschließt zum Briefkasten zu gehen, um die Post ein zu werfen. Da sie sich normalerweise nicht mit dem Frankieren der Post beschäftigt, hat sie auch keine Briefmarken. Sie weiß, dass ihr Mann die Briefmarken in seiner Brieftasche aufbewahrt und diese auf seinem Schreibtisch liegt. Sie sucht die Briefmarken und findet das Heftchen mit den Marken auch sofort. Sie nimmt die entsprechenden Marken raus. Plötzlich stutzt sie. In das Heftchen ist eine Telefon-nummer in Schwerte eingetragen, die ihr aber vollkommen fremd ist.
Wie beabsichtigt geht sie zum Briefkasten. Auf dem Weg merkt sie aber, dass sie die Sache mit der Telefonnummer nicht los lässt.
Seltsam! Warum hat ihr Mann hier eine Telefonnummer hin geschrieben - noch dazu mit der eigenen Vorwahl? Das konnte nur heißen, dass er sie von seiner Dienststelle, die in einem andere Ort ist, anruft. Aber warum?
Als sie wieder zu Hause ist, wählt sie kurzentschlossen die Nummer. Eine sympathische Frauenstimme meldet sich mit Namen. Sie stottert etwas wie: „Mm, äh, ich habe mich wohl verwählt!“ und legt den Hörer schnell auf.
Die Frau hat ihren Namen klar und deutlich gesagt. Er war gut zu verstehen. Diesen Namen kennt sie nicht! Neugierig sucht sie im Telefonbuch nach dem Namen. Sie hat weder den Vor- noch den Nachnamen je gehört. Auch Bekannte wohnen nicht in dieser Ecke von Schwerte.
 
Sie denkt nach. Ihr Mann hat ihr nie von Bekannten in Schwerte erzählt, die nur er kennt. Wo ist er eigentlich? Dauert in letzter Zeit das Joggen nicht viel länger als früher? Ob er wirklich in der Sauna ist, wenn er abends lange weg ist, oder mit wem hat er sein Vergnügen gehabt? Ob die Skatbrüder ihn decken, dass er gar nicht dabei ist? Seine dienstlichen Termine – dauern sie in letzter Zeit nicht länger als früher?
 
Die Frau schnüffelt in seinen Sachen. Sie duften nicht nach Parfüm. Lippenstift findet sie auch nicht an seinen Hemden. Aber sie benutzt ja so etwas auch selten.
 
Eigentlich verhält sich ihr Mann in der nächsten Zeit nicht anders als vorher. Eine merkwürdige Sache. Die Eifersucht legt sich, da die Frau nichts Verdächtiges feststellt und ihr die Telefonnummer als Beweis nicht ausreicht.
 
Die Frau hat in der nächsten Zeit beruflich viel zu tun, so dass sie keine Zeit hat, an die Telefonnummer zu denken.  Sie muss des öfteren verreisen und beantragt eine Scheckkarte. Als die Scheckkarte mit Schecks und Geheimnummer da ist, sagt ihr Mann zu ihr: „Es ist wichtig, dass du die Geheimnummer tarnst, damit kein Fremder sie erkennen kann. Ich habe sie als Telefonnummer in mein Briefmarkenheft geschrieben, so dass es aussieht, als sei es eine Schwerter Telefonnummer!“


© Liesel Polinski 

 

Liesel Polinski


Ein Bild im Krankenhaus


Ein Leiden zwingt sie, sich im Krankenhaus einer Operation zu unterziehen. Sie freut sich in ein Zweibettzimmer mit einem großen Fenster zu kommen. Leider ist ihr Bett das an der Tür.

Nachdem die ganze Aufnahmeprozedur mit Anamnese, Untersuchung, EKG, Röntgen, Blutentnahme usw. geschafft und das Mittagessen vertilgt ist, legt sie sich zur Entspannung auf das Bett.


Sie schaut auf die Wand. Dort hängt ein Bild über dem Tisch.
Der erste Eindruck: „So ganz mein Geschmack ist es ja nicht.“ Dann schlummert sie ein. Nach dem Schlafen setzt sie sich an den Tisch und liest.

 

Am nächsten Tag wird sie operiert. Als sie wieder in ihrem Zimmer aufwacht, schaut sie geradewegs auf das Bild an der Wand.
Eine Beerdigung!
Meine Beerdigung?
Zwei schwarz gekleidete Frauen, die erste mit einem schwarzen Tuch vor dem Mund, die zweite tiefgebeugt vom Kummer gehen auf den Betrachter zu. Im Hintergrund zwei schwarz gekleidete Männer, die den Frauen folgen.
Eine Beerdigung!
Meine Beerdigung?

 

Eigentlich geht es der Frau doch ganz gut. Noch benommen, aber sie lebt. Sie wendet den Blick zur Seite. Links neben dem Bild hängt ein Kruzifix. Hat es mit dem Bild zu tun? Handelt es sich bei den Frauen um Maria und Magdalena? Beerdigen sie Jesus?
Die Frau im Bett schließt erschöpft die Augen. Zuerst denkt sie immer wieder an das Bild. Dann schläft sie ein. Nachts als sie aufwacht, ist es dunkel. Sie ist froh, das Bild nicht sehen zu müssen.

 

Am folgenden Morgen geht es ihr besser. Sie hat wieder erste Kräfte gesammelt. Als sie auf das Bild schaut, ist ihr klar, dass es ihre Beerdigung noch nicht ist. Ihre Gedanken: Warum wird ein solches Bild in ein Patientenzimmer gehängt? Oder sehe nur ich diese Beerdigung?
Jede Besucherin, jeder Besucher wird gefragt, was auf dem Bild zu sehen ist. Einhellige Meinung: Eine Beerdigung! Am nächsten Morgen fragt die Frau die zwei Schwestern, die die Betten herrichten, was sie auf dem Bild sehen. Spontane Reaktion: „Eine Beerdigung!“ Erschrecktes Innehalten. Das Bild in dem Zimmer haben die Schwestern noch nie angeschaut. Darüber wollen sie in ihrer Morgenrunde sprechen.


Die Frau auch nicht müßig, inzwischen wieder einigermaßen fit begibt sich in die Verwaltung. Die zuständige Person ist schnell gefunden. Zuerst wird versucht die „Beerdigung“ als eigenwillige Interpretation der Patientin zu sehen. Das Bild hängt schließlich seit 20 Jahren dort. Aber dann will sie sich doch kümmern.
 Kaum ist die Frau wieder auf ihrem Zimmer, kommt eine freundliche Schwester ins Zimmer und nimmt das Bild ab. Ein Gespräch über Bilder und Farben und deren Wirkung auf die Psyche der Menschen erfreut die Patientin und die Schwester. Zehn Minuten später hängt ein anderes Bild an der Wand, auf dem die Frau einen Schmetterling, Blüten und Blätter entdeckt.
 

© Liesel Polinski              

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